
Ulli 4.8.2012
Dale Olson, Journalist und PR-Experte und früher Homosexuellen-Aktivist, überzeugte 1985 Rock Hudson Aids publik zu machen. Olson starb am 9. August 2012 im Alter von 78 Jahren in Los Angeles.
Dale Olson (20.2.1934 – 9.8.2012)
Dale Olson wurde am 20. Februar 1934 in Fargo geboren. Er lebte in Portland, arbeitet für eine PR-Firma, bevor er 1985 sein eigenes PR-Unternehmen gründete.
Olson engagierte sich u.a. in der frühen Schwulenbewegung der USA, war erster Generalsekretär der Mattachine Society. Er war vermutlich der erste oder einer der ersten Männer, die offen schwul im US-Fernsehen auftraten. 1954 nahm er unter dem Pseudonym Curtis White und mit verdecktem Gesicht an einer TV-Sendung über Homosexualität teil, berichtete er sei homosexuell und ‚betrachte sich nicht als anormal‘. Trotz der Versuche der Anonymisierung wurde er erkannt und am nächsten Tag entlassen.
Der Schriftsteller und Publizist Olson vertrat im Verlauf seiner Karriere u.a. Stars wie Marilyn Monroe, Laurence Olivier und Shirley MacLaine.
Er erlag am 9. August 2012 in Burbank den Folgen eines Leber-Krebs. Olson hinterließ seinen Mann, den Publizisten Eugene Harbin, der seit über 30 Jahren sein Lebenspartner war und den er 2008 heiratete.
Am bekanntesten wurde Olson vermutlich durch seine Funktion als Sprecher von Rock Hudson (geboren am 17. November 1925) zu der Zeit, als der Hollywood-Schauspieler an Aids erkrankte.

President Ronald Reagan and Nancy Reagan posing with Rock Hudson at White House State Dinner for President De La Madrid of Mexico. –
Rock Hudsons Umgang mit Aids und die Rolle von Dale Olson
Rock Hudson wurde von dem Hollywood-Agenten Henry Willson zum Star gemacht, ein „gequälter schwuler Mann, der sich über gequälte schwule Männer hermachte“ (Ryan Murphy, Regisseur, in Variety). Von Willson erhielt er den Künstlernamen, seine Karriere – und das Doppelleben. Schließlich heiratete Hudson 1955 sogar Willsons Sekretärin.
Am 5. Juni 1984 wurde bei Rock Hudson eine HIV-Infektion diagnostiziert, die er geheim hielt. 1985 ließ er sich in Paris behandeln. Am 21. Juli 1985 brach Hudson in seinem Hotel in Paris zusammen. Dale Olson gab ein Presse-Statement heraus, der Filmstar leide an inoperablem Leberkrebs. Eine Aids-Erkrankung leugnete er zunächst.
Dale Olson überzeugte Medienberichten zufolge Hudson, offen mit seiner Aids-Erkrankung umzugehen. Olson machte ihm klar, er habe eine tödliche Erkrankung, die viele Menschen angehe – und er habe die Chance derjenige zu sein, der dies den Menschen bewusst mache:
„I spoke to him and said, ‚You have a terminal disease. This is going to affect a lot of people. And you can be the person who can make people aware of it.'“
Am 25. Juli 1985 teilte Dale Olson mit Einwilligung des Schauspielers mit, dass Rock Hudson Aids habe, und dass HIV bereits Monate vorher diagnostiziert worden sei. Hudson kehrte am 30. Juli 1985 in die USA zurück und hielt sich nach einigen Wochen Krankenhaus-Aufenthalt in seiner Villa in Beverly Hills auf.
Rock Hudson Aids – eine damals aufsehenerregende Mitteilung
Die Nachricht, die Rock Hudson bei einer von der 2011 verstorbenen Schauspielerin Elizabeth Taylor veranstalteten Aids-Benefiz-Gala 1985 von Schauspieler-Kollegen Burt Lancaster verlesen ließ (und die Dale Olson verfasst hatte), sorgte für Aufsehen. Erstmals teilte ein Hollywood-Star mit, an Aids erkrankt zu sein:
„I am not happy that I am sick. I am not happy that I have AIDS, but if that is helping others, I can, at least, know that my own misfortune has had some positive worth.“
Rock Hudson 1985
Rock Hudson starb wenige Wochen später am Morgen des 2. Oktober 1985, nur wenige Wochen vor seinem 60. Geburtstag.
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Die kanadische Aktionsgruppe ‚Aids Action Now!‘ war auf der XIX. Internationalen Aids-Konferenz in Washington u.a. mit ihrer Kampagne ‚I party. I bareback. I’m positive. I’m responsible.‘ (etwa: Ich feiere. Ich habe Sex ohne Kondom. Ich bin HIV-positiv. Ich verhalte mich verantwortunsgbewusst.) präsent.
I party. I bareback. I’m positive. I’m responsible.
Es ist für viele immer noch ein Reizwort, das Wort ‚ bareback ‚ … Die Aktionsgruppe ‚Aids Action Now!‘ thematisiert auch in Washington Sex ohne Kondom, und die Frage nach Verantwortung sowie die Kriminalisierung von HIV-Positiven.
„Würdest du bitte etwas tiefer blicken?“ – eine Kunst-Kampagne von ‚Aids Action Now!‘ rückt Stereotype und Tabus in den Mittelpunkt, darunter auch die Frage „ist nur Sex mit Kondom verantwortungsvioller Sex?“. Das Motto der Aktion von ‚Aids Action Now!‘, auch zu lesen auf Unterwäsche und Transparenten:
„I party. I bareback. I’m positive. I’m responsible.“
(etwa: Ich feiere. Ich habe Sex ohne Kondom. Ich bin HIV-positiv. Ich verhalte mich verantwortunsgbewusst.)
Die Themen der Kampagne von ‚Aids Action now!‘ reichen von Kriminalisierung HIV-Positiver über HIV-positive Frauen und Sex bis Bareback / kondomfreier Sex und Viruslast-Methode sowie der Situation HIV-Positiver in Haft.
Mikiki, Koordinator bei der ‚Toronto People Living with AIDS Foundation‘ und derjenige Künstler, der das „I Bareback“ – Plakat gemeinsam mit Scott Donald entwickelte, betont, das gegenwärtige legale und daraus sich ergebend soziale Klima in Kanada, das durch die Kriminalisierung der Nicht-Offenlegung des HIV-Status geprägt sei, beeinträchtige aktiv seine Gesundheit als HIV-Positiver:
„The current legal climate and subsequent cultural climate that is constructed through the criminalization of HIV nondisclosure actively impedes my ability to manage my health as a person living with HIV.“
HIV-Negative würden als verantwortungsvoll wahrgenommen, egal ob sie Sex ohne Kondom haben oder nicht – HIV-Positive hingegen würden als verantwortungslos angesehen weil sie sich haben testen lassen. Das stelle er auf den Kopf: er habe sich testen lassen, gerade weil er sich um seine Gesundheit und die seines Partners kümmere. Sie beide würden ihr Sexleben aktiv managen – und das wolle er mit dem Poster thematisieren:
„Negative people are seen as responsible whether they participate in these behaviours or not, but we’re seen as inherently irresponsible because we have tested positive for HIV. But I flip it on its head: I got tested because I care about my health and care about my partners’ health. We are active agents managing our sex lives, and the poster wants to speak to that.“
Die Aktionsgruppe ‚Aids Action Now!‚ (AAN) wurde bereits 1988 auf Initiative und mit aktiver Beteiligung von HIV-Positiven gegründet. Die jetzige Kampagne zu Stereotyopen und Tabus (u.a. mit dem Bareback-Motto) läuft bereits seit 2011 und sorgte u.a. in Toronto im Umfeld des Welt-Aids-Tags 2011 für Aufmerksamkeit.
Im Januar 2012 war die Gruppe Mitveranstalter der Kampagne „We’re not criminals„, die sich angesichts einer anstehenden Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Kanadas gegen die Kriminalisierung HIV-Positiver wandte.
I party. I bareback. I’m positive. I’m responsible. – Fotos













Merci à Olivier pour les photos!
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Text 21. April 2017 von ondamaris auf 2mecs
HIV und Ramadan – HIV-positiv, Medikamente, und die Fastenzeit für Muslime, der Ramadan. Verträgt sich das? Und wie regele ich’s am praktischsten? Ratschläge gibt ein (französischsprachiges) Internetportal.
Am Abend des 23. April 2020 beginnt in Deutschland für gläubige Muslime der Ramadan und endet am Abend des 23. Mai.
Ramadan – das bedeutet bis Sonnenuntergang nicht essen, nicht trinken, nicht rauchen. Auch wenn laut Koran kranke Muslime für die Zeit ihrer Krankheit vom Fasten befreit sind, überlegen manche gläubige Muslime im Ramadan zu fasten.
Als ‘Fastenmonat’ kann der Ramadan somit auch für Menschen mit HIV, die muslimischen Glaubens sind, einige Fragen mit sich bringen.
Aids-Medikamente müssen eingenommen werden, vielleicht nicht nur einmal, sondern zweimal täglich – geht das? Und wie? Und was ist mit Medikamenten, die nicht ohne Nahrung eingenommen werden dürfen? Gibt es Konstellationen als HIV-Positive/r, die sich mit dem Ramadan definitiv nicht vertragen? Und was dann?
Das französichen Sida Info Service hat 2011 und 2016 dazu Seiten mit vielen praktischen Tipps verfasst:
Sida Info Service 2011: Séropositif au VIH, puis-je faire le ramadan ? (HIV-positiv – kann ich am Ramadan teilnehmen?; Übers. UW)
Sida Info Service 2016: Quelques règles à respecter pour les musulman-e-s séropositif-ve-s au VIH qui souhaitent faire le ramadan (Einige Regeln für HIV-positive Muslime die am Ramadan teilnehmen möchten; Übers. UW)
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Text mit aktualisiertem Link 20. Februar 2016 von ondamaris auf 2mecs und zuletzt leicht aktualisiert am 29. Mai 2017
Vito Russo (1946 – 1990)
Vito Russo war ein us-amerikanischer Filmhistoriker, Autor und LGBT-Aktivist. Besonders bekannt wurde Russo durch The Celluloid Closet (1981).

Vito Russo (1946-1990) on June 28 1989. – CC BY-SA 2.5
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Russo wurde am 11. Juli 1946 in New York geboren. Bekannt wurde er insbesondere durch sein Buch „The Celluloid Closet“ (1981), in dem er untersuchte wie Schwule und Lesben in (insbesondere Hollywood-) Filmen dargestellt werden. Das Buch wurde die Basis für den Dokumentarfilm „The Celluloid Closet – gefangen in der Traumfabrik“ (1995) von Rob Epstein und Jeffrey Friedman.
Russo war Mit-Gründer der ‚Gay and Lesbian Alliance Against Defamation‚ (GLAAD), einer Organisation, die die Darstellung von Lesben und Schwulen in Mainstream-Medien beobachtet und jährlich die ‚GLAAD Media Awards‘ (darunter auch den ‚Vito Russo Award‘) verleiht. Russo engagierte sich zudem bei der Aids-Aktionsgruppe ACT UP.
https://www.youtube.com/watch?v=C0Q8p0HCQEs
Russo starb am 7. November 1990 in New York City an den Folgen von Aids. Sein Nachlass befindet sich in der New York Public Library.
Russo wurde in einer HBO-Dokumentation portraitiert, die am 23. Juli 2012 (in den USA) erstausgestrahlt wurde (Uraufführung beim 50. New York Film Festival am 23. Juni 2012).
1973 eröffnete in New York ein ‚Bathhouse‘ – das „Man’s Country“. Die beiden Besitzer Chuck Renslow und Charles Fleck hatten die Räumlichkeiten in einem alten Büro-Gebäude bereits 1972 erworben, nach umfangreichen Renovierungsarbeiten eröffnete ‚Man’s Country‘ in 28 W. Fifteenth Street (zwischen 6th und 7th Avenue) in New York 1973.
Das ‚Mans Country‘ in New York wurde bald legendär, wenn auch nicht so bekannt und populär wie das ‚St. Marks Bath‘. Besonders bekannt wurde das ‚Man’s Country‘ für sein ‚Orgien-Zimmer‘. Die Wände der Sauna waren teils dekoriert mit Zeichnungen von ‚Etienne‘ (Dom Orejudos), neben Tom of Finland damals einer der in den USA bekanntesten Vertreter der ‚Leather Art‘.
Eine weitere in Chicago eröffnete Filiale existiert noch heute, die New Yorker Dependance hingegen wurde in den 1980er Jahren geschlossen.
Dieser Werbespot von Mitte der 1970er Jahre (Musik: ‚The Salsoul Orchestra‘) gibt einen Eindruck: leider nicht mehr online 🙁
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Lesezeichen:
Leather Archives and Museum: Durk Dehner (1999): Dom Orejudos aka Etienne
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Wie stellt man Schwule in Literatur, in Film dar? Gibt es Mittel und Wege, Schwule unprätentiös, unaufgeregt, ‚echt‘ – und mit Perspektive darzustellen? Finde ich mich da irgendwo wieder? Diese Fragen beschäftigten mich (frisch mein Schwulsein entdeckt, auf der Suche nach meinem Weg), damals Anfang der 1980er Jahre. In deutschsprachiger Literatur und im deutschsprachigen Film kannte ich damals nicht vieles über Schwule. Noch weniger etwas, das ich für mich als beispielgebend empfand.
Fast schon ein Highlight im Vergleich zu den mir damals bekannten, abfälligen Darstellungen Schwuler war zur damaligen Zeit „Die Konsequenz“ (Buch Alexander Ziegler 1975, Film Wolfgang Petersen 1977). Ich kann allerdings kaum sagen, welches von beiden ich (meinen Tagebüchern zufolge schon damals) als weinerlicher empfunden habe, als weiter weg von meiner eigenen Realität.
Dann kamen, kurz aufeinander, der Film ‚Cruising‘ (1979 gedreht, Uraufführung 1980) und der Roman ‚The Lure‘ (1979, deutsch: ‚Gefangen in Babel‘ 1981), auf den mich mein damaliger Lieblings-Buchhändler Dieter vom (inzwischen leider nicht mehr existierenden) schwulen Buchladen ‚Männerschwarm‘ aufmerksam machte. Beide waren auf ihre Weise für mich bedeutend.
‚Cruising‚ und ‚The Lure‘, beide befassen sich mit der Schwulenszene der USA Ende der 1970er Jahre. Beide behandeln u.a. das ‚Cruising‚, jenes Herumstromern auf der Suche nach schwulem Sex. Eine Insider-Formulierung, die damals noch weit davon entfernt war, ein wie heute umgangssprachlich gebräuchlicher und auch Heteros geläufiger Begriff zu sein. Und beide thematisieren eine Reihe von Morden an Homosexuellen – allerdings mit grundsätzlich unterschiedlichen, oft konträren Haltungen und Darstellungsweisen.
Felice Picano ‚ The Lure ‚
Noel Cummings ist wie so oft früh morgens mit seinem Fahrrad unterwegs. Ein Geräusch, ungewohnt so früh am Morgen, weckt seine Aufmerksamkeit. Wird er gerade Zeuge eines Mordes? Von einem etwas zwielichtigen, undurchschaubaren Agenten der New Yorker Polizei lässt er sich überreden, als verdeckter Ermittler in die Schwulenszene der Stadt einzutauchen. Er wird zum ‚Köder‘ (engl. lure) für den Mörder. Noel wird bald zum Objekt der Begierde – und mehr als das. Er wird Subjekt, beginnt seine eigene Homosexualität zu entdecken und, zunächst vorsichtig tastend, zu leben. Taucht dabei tief ein in die New Yorker Schwulenszene, Bars und Bar-Betreiber, wohlhabende Schwule und Männer, die sich engagieren – engagieren wofür? Immer bleibt er dabei auf der Suche – nach dem Mörder, im Auftrag der Polizei. Oder?
„The Lure“ war der erste Roman des am 22. Februar 1944 in New York geborenen Felice Picano (gest. 12. März 2025 in Los Angeles). Ein Thriller, 1979 veröffentlicht (Lawrence / Delacorte, New York) – und einer der ersten Bestseller mit schwulem Thema überhaupt.
Auf deutsch erschien ‚The Lure‚ erstmals 1981 (m.W. kurz vor der Frankfurter Buchmesse im Oktober 1981) unter dem Titel ‚Gefangen in Babel‚ (Schweizer Verlagshaus Zürich / Droemer Knaur, 1981; Übersetzung Kurt Wagenseil und Heinrich Zweifel).
Danach war der Titel lange Zeit vergriffen.
Eine zweite deutsche Ausgabe erschien Jahre später unter dem Titel ‚Der Köder‚ (Albino Verlag Berlin 1993, 2. Aufl. 1996).
Zudem gab es kurzzeitig (zum Zeitpunkt des Erscheinens der ersten, damals sehr hochpreisigen deutschsprachigen Ausgabe) einen deutschsprachigen Raubdruck, der in USA gedruckt worden war.
The lure – ein schwuler Thriller ?
Picano selbst beschreibt ‚The Lure‚ 1996 in einem Interview als „the first and only gay mystery thriller“ – ein Thriller, der zudem erzählte, wie die Schwulenszene der 1970er Jahre entstand (und indirekt an in Vergessenheit geratende Errungenschaften und Heldinnen und Helden erinnert):
„Those who formed gay culture in the 70s did so despite overwhelming opposition and indifference. They didn’t know what they were doing, only that they had to do it. Many, many of them, men and women, are dead of AIDS and cancer. They were heroes. If we stand tall today it’s because we’re standing on the shoulders of giants, princes, queens, and butches. I think we should honor and salute them.“

Portrait photograph of author Felice Picano. –
‚The Lure‘ wirkte bei seinem Erschienen beinahe wie ein Gegen-Entwurf zum kurz zuvor 1980 herausgekommenen (von vielen Schwulen als homophob empfundenen) Film ‚Cruising‘ von William Friedkin. Der (zunächst heterosexuelle) Protagonist entwickelt sich hier nicht wie in ‚Cruising‘ degeneriert zum mordenden schwulen Zombie, sondern ‚in Richtung eines vollwertigen Schwulseins‘ („in favor of a fully fledged gayness“, Davidson 2005).
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„The Lure“ hat mich damals gefesselt, sehr beeindruckt, ähnlich wie kurz darauf 1982 der Film „Querelle“ von Rainer Werrner Fassbinder.
„The Lure“ war lange Zeit einer meiner schwulen ‚Lieblings-Romans‘ – und ich lese ihn heute noch gerne. Und immer noch empfinde ich ‚The Lure‘ als eine Art Schlüsselroman. Nicht nur als Schlüssel zu einer untergegangenen Zeit (schwulen Lebens vor der Aids-Krise), sondern auch zu einem ‚unschuldige(re)n‘ und zugleich engagierten schwulen Leben.
Und immer noch frage mich, wann wird dieser wegweisende Roman, dieser spannende Thriller endlich verfilmt …
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Lesezeichen
Brian Ray Fruth 2007: „Media Reception, sexual identity, and public space“
Owen Keehnen 1996: „The Best is yet to come: A Talk with Felice Picano“
Guy R. Davidson 2005: Contagious Relations: Simulation, Paranoia, and the Postmodern Condition in William Friedkin’s ‚Cruising‘ and Felice Picano’s ‚The Lure‘
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Positiv, hetero – und eine glückliche Beziehung, die zudem eine bemerkenswerte Geschichte hat. In zwei parallelen Interviews erzählen 2012 Isabel und Rene über sich und ihre ‚PoBe-Beziehung‘:
Isabel, Rene, ihr seid seit 4 Monaten fest zusammen. Mögt ihr euch zunächst kurz vorstellen?
Isabel: Ich bin gebürtige Sächsin, lebe aber schon seit 1985 im Großraum Düsseldorf, zähle inzwischen 36 Jahre und bin seit Ende 2000 positiv – infiziert von meinem Ex-Mann, der mir seinen HIV-Status verschwiegen hat. Seit 2002 nehme ich HIV-Medikamente und hab eigentlich keine größeren Einschränkungen dadurch. Habe aber auch das große Glück, eine Kombination zu nehmen, die nur einmal täglich verabreicht wird. Ich habe zwei Kinder – mein Sohn wurde 2003 geboren – durch ihn auch der frühe Therapiebeginn. Beruflich komme ich aus der Bank – ich habe vor 20 Jahren dort gelernt und bin bis heute im Konzern tätig.
Rene: Ich wurde 1972 in Quedlinburg geboren und lebe heute in Erfurt. Seit 1996 bin ich positiv getestet und seitdem in Therapie, die ich allerdings anfangs durch meine Suchterkrankung nicht regelmäßig eingenommen habe. Seit 2002 nehme ich die Medikamente allerdings durchgehend – meine Therapie besteht aus Kaletra und Truvada. Ich bin seit Jahren unter der Nachweisgrenze bei ca. 700 Helferzellen. Bis auf kleine Nebenwirkungen (Migräne) vertrage ich die Therapie ganz gut. Beruflich schlägt mein Herz grün (Garten- und Landschaftsbau) und nachdem ich nun körperlich und seelisch wieder hergestellt bin, hoffe ich, auch in diesem Bereich wieder voll durchstarten zu können.
Seit 4 Jahren bin ich komplett trocken – da hab ich gleich Nägel mit Köpfen gemacht und auch das Rauchen aufgehört.
Ihr seid euch nicht ganz zufällig begegnet – die Geschichte eurer Beziehung ist eng mit den ‚Positiven Begegnungen‘ verbunden?
Isabel: Für mich war es die 3. PoBe und ich freute mich darauf, wieder neue Leute kennenzulernen und alte Bekanntschaften aufzufrischen. Schnell hatte ich vertraute Gesichter wiederentdeckt und gesellte mich zu diesen. Dabei war neben vielen neuen Gesichtern eben auch das von René. Wir warfen uns schon mal den ein oder anderen verstohlenen Blick zu und wenn ich mich zum Rauchen nach draußen schlich, tauchte er meist auch auf und wir unterhielten uns. Auf der Abschlussveranstaltung wurde „sein“ Video ausgestrahlt, welches im Workshop entstanden ist und ich zog den Hut vor seinem Weg. So tief hatte er mich natürlich in den vorangegangenen Tagen noch nicht in sein Leben blicken lassen und ich lernte einen ganz anderen René kennen. Kurz vor meiner Abfahrt kam er dann auf mich zu und fragte ganz höflich, ob er mir seine Telefonnummer geben dürfe. Es folgten dann Telefonate, Briefe und kleine persönliche Geschenkpäckchen über einen Zeitraum von 1,5 Jahren – wobei ich gestehen muss, dass ich mich schon teilweise ziemlich rar gemacht habe und René manches mal mehrere Wochen auf ein Lebenszeichen von mir warten musste. Allerdings war es toll für mich, trotzdem immer die wahre und echte Freude in seiner Stimme zu hören, wenn ich endlich mal wieder zum Hörer griff. Wir lernten uns, ohne es richtig zu bemerken, immer intensiver kennen und nachdem ich dann verschiedene Dinge in meinem Privatleben geregelt hatte, schrieb ich ihm kurz vor seinem 40. Geburtstag eine Nachricht, in der ich fragte, ob er an seinem Geburtstag den ganzen Tag auf Festnetz zu erreichen sei. Er hat recht schnell geahnt, worauf ich hinaus wollte und fragte ganz ungläubig an, ob ich eventuell vor habe, ihn besuchen zu kommen. Ja und bei diesem Besuch hat es dann ganz heftig gefunkt – seitdem verdienen die Mineralölkonzerne richtig gutes Geld an uns.
Rene: Ich war das erste Mal bei den Positiven Begegnungen und war überrascht von der Menge der Teilnehmer. Ich kam mir anfangs ein wenig verloren vor, stellte dann aber schnell fest, dass ich schon ein paar Leute durch die Positiv & Hetero Gruppe kannte. Mit dem Verlauf dieses Treffens taute ich nach und nach immer mehr auf und bemerkte interessante Menschen um mich herum. Im Gegensatz zu Situationen aus meinem früheren Leben erfuhr ich hier nicht Ablehnung und Diskriminierung, sondern mir wurde ehrliche Sympathie, Respekt und Anerkennung entgegen gebracht. Für mich war auf diesem Treffen klar, dass ich etwas bewegen möchte, dass heißt Gesicht zeigen. Deswegen habe ich auch beim Videoworkshop mitgemacht, bei dem ich glaube, recht authentisch rüber zu kommen.
Zu den Mahlzeiten fiel mir Isabel schon positiv auf und unsere Blicke trafen sich in der nächsten Zeit recht häufig. Das erste Grinsen war schon mit dabei. Nach den 4 Jahren meiner Abstinenz hatte ich wohl den Kopf frei, um das Projekt „zwischenmenschliche Beziehungen“ zu beginnen. Da ich noch nie in meinem Leben über einen längeren Zeitraum liiert war – sozusagen ein Langzeitsingle – aber immerhin nicht mehr bei Mutti wohnend – wollte ich hier einen ganz neuen Weg gehen. Das Treffen neigte sich am Sonntag dem Ende zu, als ich nach der Frühstückszigarette raus ging. Mit meiner Telefonnummer in der Hand und klopfendem Herzen in der Brust ging ich auf Isabel zu und gab ihr das Zettelchen. In den Satz: „Darf ich Dir meine Telefonnummer geben?“ legte ich all meine Hoffnung. Die Angst vor einem Korb war aber schon ganz schön groß.
Damals wusste ich noch nicht, wie verrückt diese Frau ist und dass sie keine Spielerin ist. Der Grundstein war gelegt…
Ihr beide seid also die erste hetero- „PoBe-Beziehung“, von der wir wissen, oder?
Weswegen seid ihr zu den ‚Positiven Begegnungen‘ gefahren?
Isabel: Klasse, so habe ich das noch gar nicht gesehen – aber es stimmt schon, ich habe bisher noch von keiner anderen hetero PoBe-Beziehung gehört.
Die Positiven Begegnungen sind für mich schon immer ein toller Ort gewesen, um neues Wissen zu erlangen, Wissen zu vermitteln und eben andere Betroffene kennenzulernen. Ich wurde für Bielefeld als Referentin angefragt, wäre aber auch als rein private Teilnehmerin gekommen. Im weitesten Sinne wollte ich also schon neue Menschen kennenlernen, aber keinesfalls einen neuen Partner. In Bielefeld war ich selbst noch gebunden, wenn auch nicht glücklich, so aber doch in einer Beziehung.
Ich hatte da erstmal einiges in meinem Leben auf die Reihe zu bekommen und war vom Thema Partnerschaft so bedient, dass ich ganz sicher erstmal nichts neues wollte.
Rene: In erster Linie ging es mir darum, positive Energie zu tanken. Eine mögliche Partnersuche stand keinesfalls im Vordergrund. Es war mir aber von vorneherein auch klar, dass es nicht tragisch wäre, wenn sich in diese Richtung etwas entwickeln würde.
Wie wichtig ist euer HIV-Status für euch in eurer Beziehung?
Isabel: Wir achten sehr aufeinander, können nachempfinden, wenn der Partner sich nicht wohl fühlt – ohne dass er sich großartig erklären muss.
Ansonsten nimmt der HIV-Status eher einen kleinen Raum in der Beziehung ein – es tut gut, sich vor dem Partner nicht verstecken oder verstellen zu müssen und natürlich ist es auch toll, spontan und unkompliziert Sex haben zu können.
Rene: Eigentlich ist der HIV-Status eher nebensächlich für uns.
Nach der ‚PoBe Bielefeld‘, dem Beginn eurer Beziehung – wie geht’s weiter?
Seid ihr auf Positiventreffen, oder auf den nächsten ‚Positiven Begegnungen‘ in Wolfsburg?
Isabel: Wir sind auf jeden Fall in Wolfsburg dabei und hoffen inständig, dass die gemeinsame Zimmerreservierung auch wirklich klappt! Und auch sonst sind wir gerade in der Phase, in der wir unser Glück mit anderen teilen möchten, ihnen davon erzählen möchten – so habe ich kürzlich Renés „Positiv & Hetero“ Gruppe bei einem Treffen besucht und auch in unseren örtlichen AIDS-Hilfen sind wir beide zusammen zu finden, wenn gerade Veranstaltungen auf die Tage fallen, an denen wir zusammen sein können. Für 2013 haben wir geplant, an einem Partnertreffen im Waldschlösschen teilzunehmen. Ich hoffe also sehr, dass wir zukünftig öfter mal als Pärchen auf Treffen zu finden sind.
Rene: Ich denke, hier hat Isabel die Frage komplett für uns beantwortet <lacht>
Heterosexuelle HIV-Positive haben es, scheint mir, oft schwerer, Beziehungs-Partner zu finden als Schwule, oder täusche ich mich da? Habt ihr einen Tipp für positive Heteros?
Isabel: Nun, es ist wohl generell schwer, den passenden Partner zu finden – noch dazu habe ich das Gefühl, dass viele Heteros doch dazu neigen, keine „gemischten“ Beziehungen eingehen zu wollen, was die Partnersuche nicht wirklich einfacher macht.
Ich habe aber erlebt, dass es durchaus legitim und auch möglich ist, sich in einen „negativen“ Partner zu verlieben und mit ihm zusammen zu sein. Die Hürden waren bei mir gar nicht so groß, wie ich es im Voraus immer befürchtet habe und der Umgang mit HIV wurde im Alltag ein ganz normaler.
Von daher kann ich nur den Tipp geben, auf das Herz zu hören und mit dem Selbstbewusstsein in eine neue Situation hineinzugehen, dass uns zusteht. Wir brauchen uns wegen nichts zu schämen oder zu verstecken.
In René habe ich mich nicht verliebt, weil er positiv ist, sondern weil er René ist.
Rene: Ich denke auch, dass man sich keinesfalls verstecken sollte, sondern sich einfach öffnen und in die Welt rausgehen muss. Frei nach dem Motto „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Dank EKAF wird meiner Meinung nach auch vieles leichter. Ich denke, auch mit HIV sind wir vollwertige Menschen.
Isabel, Rene, ganz herzlichen Dank für das Interview!
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Text 21. April 2017 von ondamaris auf 2mecs
Seitensprung -Zimmer? Was nur ist ein Seitensprungzimmer? Und was überhaupt ein Seitensprung?
Beim Herumstromern in der großen Stadt entdecke ich im Schaufenster eines Pornokinos einen merkwürdigen Begriff: