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HIV/Aids Homosexualitäten ondamaris Texte zu HIV & Aids

Erinnerungen an Ernst Meibeck (1950 – 1995)

Ernst Meibeck, Schauspieler, Musiker, Sänger, Kabarettist und ACT UP Aktivist, wurde am 14. April 1950 in Essen geboren. Ernst Meibeck starb am 10. Oktober 1995 im Alter von 45 Jahren in Hamburg.

Ernst Meibeck 1991 © Florian Wüst
Ernst Meibeck, Januar 1991 © Florian Wüst

Ernst Meibeck lernte ich kennen, kurz nachdem er sein HIV-positives Testergebnis bekommen hatte, Ende der 1980er oder ganz zu Beginn des Jahres 1990 muss das gewesen sein. Wir waren zu einem Koordinierungs-Treffen der ACT UP – Gruppen in Deutschland, und Ernst war einer der aktivsten Hamburger ACT UP Aktivisten.

Der Präsident des Deutschen Aids-Kongresses, der bald in Hamburg stattfinden sollte, wollte uns nicht teilnehmen lassen?Da machen wir ne Aktion draus!‚, Ernst hatte gleich eine Idee, ein Bild im Kopf, ‚die sollen schon mal sehen, ob sie uns draußen halten können‘. Bald waren Krankenhaus-Klamotten, ein Krankenbett und allerlei medizinisches Zubehör organisiert, eine Gruppe HIV-Positiver, teils als Patient im Krankenbett, teils als ‚Professor‘ (‚Dr. Meibeck-Makarowsky‚) vorneweg, steuerte direkt auf den Eingang des Kongresses zu – und war bald drin. ‚Nicht über uns, mit uns‘, ‚Wir sind nicht das Problem, wir sind Teil der Lösung‘.

Auch in den folgenden Jahren war Ernst (oft gemeinsam mit Klaus Knust) engagierter Mitstreiter, Strippenzieher, Organisator, so z.B. beim damals recht erfolgreichen ‚Marlboro Boykott‘, bei dem ACT UP weltweit dagegen protestierte, dass der Marlboro herstellende Zigarettenkonzern den ultrarechten und inzwischen längst verstorbenen US-Politiker Jesse Helms unterstützte – eben jenen Helms, dem wir das erst Anfang 2010 wieder abgeschaffte Einreiseverbot für HIV-Positive in die USA zu ‚verdanken‘ hatten.

Irgendwann konzentrierte sich Ernst mehr auf die Fragen Hospiz und Pflegedienst – er hatte bei einem Besuch in London (wieder: mit Klaus Knust) das ‚London Lighthouse‘ besucht, brachte die Idee mit nach Hamburg – und wurde einer der aktiven Mitstreiter für ein ähnliches Hamburger Projekt. ‚Hamburg Leuchtfeuer‚ wurde 1994 gegründet – und Ernst konnte als er selbst schwer erkrankte längere Zeit von Ehrenamtlichen von ‚Leuchtfeuer‘ zuhause in seiner Wohnung auf der ‚Langen Reihe‘ gepflegt und betreut werden.

Multitalent Ernst Meibeck

Ernst Meibeck wurde am 14. April 1950 in Essen geboren. Nach einem BWL-Studium wurde er Leiter eines Jugendzentrums in Duisburg. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre war er Mitglied der 1976 gegründeten schwulen Theatergruppe Brühwarm (Corny Littmann, Danny Lewis, Ralph Mohnhaupt, Ernst Meibeck, Lutz Ulbrich, Claus Plänkers und Götz Barner). Ernst ist u.a. der Sänger des wunderbaren Liedes „Sie ham mir ein Gefühl geklaut …“ auf der ‚Brühwarm‘-LP ‚entartet‚.

1979 trennte sich die Gruppe Brühwarm. Ernst machte Solo-Programme, sang mit im Hamburger Tuntenchor, jobbte als Modell. Er war Herausgeber der ersten beiden Ausgaben von ‚Hamburg von hinten‚ (1982, 1984/85).

HIV-positiv getestet, engagierte sich Ernst ab 1989 in der Aids-Bekämpfung.

Ernst Meibeck starb am 10. Oktober 1995 in Hamburg – nicht zuhause, wie er es sich gewünscht hatte, sondern im UKE (Universitäts-Krankenhaus Eppendorf). Beigesetzt ist er auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf in der Gemeinschaftsgrabstätte ‚Memento 1‚ (Lageplan K10, 13-22).

Das ‚virtuelle Kulturhaus‘ auf der (längst eingestellten, aber seit 2013 wieder online als Archiv verfügbaren) schwulen Platform etuxx wurde ihm zu Ehren am 12. Dezember 2001 „Kulturhaus Ernst Meibeck“ benannt.

Ernst Meibeck – Grab

Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1
Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1
Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1
Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1
Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1, Grabplatte u.a. mit dem Namen von Ernst Meibeck
Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1, Grabplatte u.a. mit dem Namen Ernst Meibecks

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Memento 1 – Ruhezeit Ende 2022 abgelaufen

Am 24. Oktober 2022 teilte Memento e.V. mit

„Ende dieses Jahres wird die 25-jährige Ruhezeit nach der letzten Beisetzung auf der ersten Grabstätte unseres Vereines:MEMENTO I ablaufen.
Somit wird der Patenschaftsvertrag dieser Grabstätte mit zugehörigem historischem Grabmal zum 31. Dezember enden. Das Grabmal wird dauerhaft an seinem jetzigen Standort verbleiben, da es vom Friedhof als erhaltenswert eingestuft wurde und unter Denkmalschutz steht.
Auch unsere Vereinsbeschriftung, die ersten 10 in den Sockel eingravierten Namen der Verstorbenen, sowie die Namenstafel mit den übrigen 22 Namen verbleiben vorerst an ihrem Standort. Sollte sich eines Tages eine Person, Familie oder Verein finden, welche einen neuen Patenschaftsvertrag mit dem Friedhof für diese Grabstätte abschließt, könnten diese dann natürlich ihre eigenen Namen am Grabmal anbringen. In diesem Falle würde unsere Namenstafel auf der Grabstätte MEMENTO II integriert werden. Auch die ersten 10 Namen aus dem Sockel des Grabmals würden dann, sobald dies finanziell machbar wäre, in irgendeiner Weise auf MEMENTO II eingefügt werden.
Am Totensonntag dieses Jahres wird also das letzte gemeinsame Grabbegängnis des Vereines am Grabmal MEMENTO I stattfinden und wir wollen die Grabstätte dabei mit einer kleinen Zeremonie verabschieden.“

Memento e.V., 24.10.2022

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Ernst war eine Inspiration.
Ernst war anstrengend.
Ernst war liebenswert.
Ernst war eine Bereicherung.
Ernst – ich vermisse dich.

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Ernst Meibeck hören?

Das geht noch – sich um die Brühwarm-LP ‚entartet‘ bemühen, und das wirklich wunderbare Lied ‚Sie ham mir ein Gefühl geklaut‘ anhören.

Oder bei radioaton anhören, wie Ernst Meibeck und Onan Onair Weihnachten 1987 von der Talstrasse zur Hafenstraße pilgern, in der Heiligen Nacht auf der Suche nach dem wahrhaft Heiligen.

Oder bei Monty Arnold Songs gesungen von Ernst Meibeck hören: Paris Bar hierLetztes Geleit hier, Cocteaus letzter Einkaufszettel hier, Steife Brise hier, Geiles Gerücht hier; (Komponist jeweils Erwin Spinger, außer ‚Paris Bar (dort Nach-Mischung)).

Onan Onair erinnert sich auf etuxx an Ernst Meibeck: Erinnerung an schwule Cliquenbildung

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Homosexualitäten

Cruising (Film) – ‚homophobes Machwerk‘ & ‘Teil der queeren Geschichte’

Er führte zu heftigen Kontroversen und Debatten um Homophobie, und geriet schnell wieder in Vergessenheit: der Film ‚Cruising‘ von William Friedkin aus dem Jahr 1979/1980 mit Al Pacino in der Hauptrolle. Der Film „Cruising“ – ein ‚homophobes Machwerk‘ ? und zugleich ‘Teil der queeren Geschichte’. Al Pacino ließ 2024 wissen, er habe damals das gesamte Honorar gespendet.

‚Cruising‘

Ein heißer Sommer in New York zur Zeit des Langzeit- Bürgermeisters Ed Koch (1924 – 2013). Eine Mordserie wühlt die schwulen Lederszene des ‚West Village‘ auf. Leichenteile schwimmen im Hudson River – die Polizei vermutet einen Serien-Killer, der seine Opfer in Schwulen-Bars kennen lernt. Undercover wird ein den Opfern ähnlich aussehender Polizist (Al Pacino als Steve Burns; Pacino soll sehr um diese Rolle gekämpft haben) in die Szene eingeschleust (ebenfalls ein ‚Lockvogel‚, wie im Plot des meisterhaften Romans The Lure von Felice Picano), dem sadistischen Täter auf der Spur.

Der (nota bene heterosexuelle) Polizist entdeckt in den Bars des Village eine Szene (unterlegt von Punk und Musik u.a. von Willy de Ville und den Germs (mit ihrem nicht offen schwulen Sänger Draby Crash)) der Drogen und des hemmungslosen Sex – und sieht sich mit seinen eigenen homosexuellen Anteilen konfrontiert. Er verdächtigt bald einen Barkeeper als Täter, von dem die Polizei mit Gewalt ein Geständnis  zu bekommen versucht. Doch die Spur erweist sich als falsch. Ist der wahre Täter unter den Schwulen zu suchen? Oder an ganz anderer Stelle?

‚Cruising‘, 1980:

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Hamburg

Mispel-Probleme

Unsere geliebte Mispel macht Probleme … schon das zweite Jahr … 🙁

Im Frühjahr ganz normales Austreiben, oppulente Blüte. Doch die Blätter werden nicht satt dunkelgrün wie früher, bleiben bei einem hellen grün … und bekommen bald teilweise rote Zeichnungen. Derzeit sieht sie so aus:

Im Herbst letzten Jahres hat die Mispel ihre Blätter viel zu früh verloren, kaum Früchte bis zur Reife getragen.

Die bisherigen Ratschläge von Gartenfreunden und Gärtner/innen waren erfolglos:

  • das trockene Frühjahr / der nasse Sommer letztes Jahr (dieses Jahr war’s anders – der Mispel gehts nicht ebsser)
  • das sind Wühlmäuse (Befund: negativ)
  • zu karger Boden (Mispel ist nicht sher anspruchsvoll; Düngen; keine Änderung)
  • das ist ein Pilz (komplett Laub letztes Jahr entfernt, verrbannt, keine Änderung).

Weiß jemand Rat?

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HIV/Aids ondamaris Texte zu HIV & Aids

3. Juli 1981 – erster Bericht über Aids

Erster Bericht über Aids – “Rare cancer seen in 41 homosexuals”, unter diesem Titel berichtete die New York Times am 3. Juli 1981 erstmals in der breiten Öffentlichkeit über das, was später als Aids bezeichnet wurde.

Eine ungewöhnliche Häufung von Fällen des ansonsten seltenen Kaposi Sarkoms unter jungen Homosexuellen war Fachleuten aufgefallen. Wenige Wochen zuvor, im Juni 1981 erschien ein erster Bericht über das, was später ‘Aids’ genannt wird, in der Fachpresse (dem ‘MMWR’).

Anfang Juli 1981, erster Bericht über Aids in der Publikumspresse, in der New York Times. Noch war nichts über Ursache, Erreger und Verbreitungswege bekannt.

“The cause of the outbreak is unknown, and there is as yet no evidence of contagion”

Doch Ärzte beschrieben die Situation bereits als “rather devastating“. Zwar sei Krebs nicht übertragbar. Aber für den Ausbruch könne auch ein Virus oder Umweltfaktoren verantwortlich sein, spekulierte der Autor bereits. Es gebe erste Hinweise auf einen Verursacher.

“Cancer is not believed to be contagious, but conditions that might precipitate it, such as particular viruses or environmental factors, might account for an outbreak among a single group.”
Und “The medical investigators say some indirect evidence actually points away from contagion as a cause.”

Die Fälle beträfen überwiegend Homosexuelle mit vielen Sexpartnern:

“most cases had involved homosexual men who have had multiple and frequent sexual encounters with different partners, as many as 10 sexual encounters each night up to four times a week”.

Dies bedeute auch Entwarnung – für Heterosexuelle bestehe voraussichtlich keine Gefahr:

“Dr. Curran said there was no apparent danger to nonhomosexuals from contagion. ”The best evidence against contagion,” he said, ”is that no cases have been reported to date outside the homosexual community or in women.””

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New York Times 03.07.1981: RARE CANCER SEEN IN 41 HOMOSEXUALS

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Homosexualitäten

1922: Kurt Hiller „§175 – Die Schmach des Jahrhunderts !“

Kurt Hiller, Schriftsteller und Pazifist,  veröffentlicht 1922 im Paul Steegemann Verlag in einer Auflage von 3.000 Exemplaren seine 132-seitige programmatische Schrift „§175: Die Schmach des Jahrhunderts !“. Die Schrift wird sein Meilenstein der Bemühungen zur Liberalisierung der gegen Homosexuelle gerichteten Strafbestimmungen.

Kurt Hiller: ' §175: Die Schmach des Jahrhunderts ! ' (1922) (public domain)
Kurt Hiller: ‚§175: Die Schmach des Jahrhunderts !‘ (1922) (public domain)

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unterwegs

Unterhose im Wandel der Zeit … 1935, 1945

Die Unterhose im Wandel der Zeit – heute: 1935 und 1945

Die Unterhose, getragen unter Hose, Rock oder Kleid, soll Analbereich und Geschlechtsteile be- (ver-?) decken. Sie zählt begrifflich zur Unterwäsche.

Die Brouche / Bruoch / Bruch – Vorläufer der Unterhose im Mittelalter

Brouche, Vorläufer der Unterhose im Mittelalter (hier: Grafik aus der Maciejowski-Bibel, 13. Jhdt.; public domain)
Brouche / Bruoch, Vorläufer der Unterhose im Mittelalter (hier: Grafik aus der Maciejowski-Bibel, 13. Jhdt.; public domain)
Zwei Männer in Braies / Brouches (Saint Geneviève Bibel, um 1370, gemeinfrei)
Zwei Männer in Braies / Brouches (Saint Geneviève Bibel, um 1370, public domain)

Unterhose 1935

Unterhose 1935, Chemiefaser (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)
Unterhose um 1935, Chemiefaser (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)

Unterhose 1945

Unterhose 1945, Leinen / Baumwolle, selbstgenäht (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)
Unterhose um 1945, Leinen / Baumwolle, selbstgenäht (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)

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Hamburg Homosexualitäten

Ludwig Meyer: Jude, schwul, NS-verfolgt – & nicht entschädigt

Ludwig Meyer wird 1903 als Sohn einer jüdischen Familie von Vieh- und Fleischhändlern geboren. Zwar soll auch Ludwig den Familenbetrieb der „en-gros-Schlachterei“ fortführen – doch nach der Lehre geht er 1923 für ein Jahr nach Berlin. Erst 1930 kommt er nach Bielefeld zurück, arbeitet nun im Familienbetrieb und wird bald dessen Mitinhaber.

Am 17. Oktober 1936 wird Ludwig Meyer von der Gestapo verhaftet – im Rahmen der ‚Sonderaktion gegen Homosexuelle in Bielefeld‘. Meyer wird wegen Vergehens nach (dem erst kurz zuvor verschärften) Paragraph 175 angeklagt und zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt.

Im Dezember 1937 wird der Familie das Ausüben des Schlachterhandwerks verboten – das Aus für den Betrieb. Ludwig Meyer wird arbeitslos – und ist als Jude auch chancenlos auf dem Arbeitsmarkt in Nazi-Deutschland.

Am 2. Juni 1938 wird Ludwig Meyer in ‚Vorbeugehaft‘ genommen. Im September 1938 wird er nach Buchenwald deportiert. Nach fünf Jahren Aufenthalt im KZ Buchenwald wird er im Mai 1943 in das KZ Auschwitz verlegt, später in das KZ Mauthausen.

Ludwig Meyer überlebt jahrelange KZ-Haft und NS-Verfolgung. Nach der Befreiung von Mauthausen am 8. Mai 1945. Er kehrt kurz darauf, völlig mittellos, in seine Heimatstadt Bielefeld zurück. Im Mai 1946 wird Ludwig Meyer als rassisch Verfolgter anerkannt.

1949 steht Ludwig Meyer erneut vor Gericht – nach dem unverändert in der NS-Fassung weiter gültigen Paragraphen 175. Wegen ‚unzüchtiger Handlungen‘ wird er zu 5 Wochen Gefängnis verurteilt. Die Bielefelder Wiedergutmachungsstelle plant daraufhin, seine Anerkennung als rassisch Verfolgter zu widerrufen, diese habe er aufgrund seiner Homosexualität verwirkt. Die jüdische Kultusgemeinde, in der Meier seit der Befreiung 1945 Mitglied ist, interveniert vergeblich. Sein Verfolgten-Status wird zunächst aberkannt. Meyer gewinnt ein Einspruchs-Verfahren, doch die Stadt Bielefeld legt Widerspruch ein. Als er wegen Betrugs und Bestechlichkeit im Amt zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt wird, verliert er den Status als rassisch Verfolgter. Erst 1956/57 „kamen alle Entschädigungs- und Rentenangelegenheiten zu einem positiven Ausgang“, wie Niko Evers in der taz resümiert.

1953 eröffnet Ludwig Meyer gemeinsam mit seinem Freund Günter Heidemann eine der ersten Schwulenkneipen Hannovers, das ‚Wielandseck‚ in der Glockseestrasse. 1960 gibt er die Kneipe ab, zieht später nach Hamburg.

Im April 1975 meldet die Hamburger Lokalpresse „wieder ein Mord auf St. Pauli: Rentner erschlagen“, das Opfer sei „homosexuell veranlagt“ gewesen. Ludwig Meyer wird Opfer eines Raubmords, sein Leben fand im Alter von 71 Jahren ein gewaltsames Ende.

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Berichtet hat die Geschichte von Ludwig Meyer der Journalist Niko Ewers vom ‚Bielefelder Stadtblatt‘ (einer aus der 1970er Protestbewegung entstandenen alternativen Zeitung, die 2001 nach 25 Jahren in Insolvenz ging) in der taz.

Als Theaterstück umgesetzt wurde das Schicksal Ludwig Meyers in dem Stück „Schlachter-Tango“ (2010; Konzept: Michael Grunert) das 2012 in Bielefeld (mit Förderung durch die hms Hannchen Mehrzweck Stiftung) erneut aufgeführt wurde.

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In der Gedenkstätte Buchenwald erinnert seit 2006 ein Gedenkstein an die homosexuellen NS-Opfer.

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Lesezeichen
Niko Ewers: Homosexuell und Jude – Leben und Verfolgung des Bielefelders Ludwig Meyer, dessen Leidensgeschichte nach siebenjähriger KZ-Haft noch nicht zuende war. in: Capri, 13. Jg. 2001 (H. 30), S. 35 – 41
taz 02.09.2000: Nicht verfolgt?
Theater-Labor im Tor 6: Schlachter-Tango

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Nachtrag
26.06.2012
: Das ‚Wielandseck‘ war Anfang der 1960er Jahre, in Zeiten des ‚Tanzverbots‘ für Schwule in Hamburg (1961 hatte das Verwaltungsgericht Hamburg das vom Ordnungsamt angeordnete Tanzverbot in Lokalen für Homosexuelle bestätigt), auch Zufluchtsort für Hamburger Homosexuelle, wie Mico Kaletta (Besitzer der ältesten Schwulensauna Deutschlands, der Vulkan in Hannover) berichtet (pdf):

Im Wielandseck hingen Plakate `heute kommt der Bus aus Hamburg. Wir begrüßen die Hamburger, seid alle pünktlich ́. Gegen 20 Uhr kam der Reisebus um die Ecke und die hannoverschen Tunten begrüßten die Hamburger Tunten, sogar mit Rosen. Es wurde getanzt und gefeiert, bis der Bus am nächsten Tag nur noch halbvoll nach Hamburg zurückfuhr.

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Berlin

Transgenialer CSD 2012 Fotos – Berlin 23.6.2012

Transgenialer CSD 2012 Fotos : “Lasst es glitzern! Antifaschistisch – queerfeministisch – antirassistisch – solidarisch” – unter diesem Motto fand am 23. Juni 2012 in Berlin der ‘Transgeniale CSD 2012’ tCSD ’stay queer and rebel‘ statt.

Berlin Transgenialer CSD 2012 Fotos

tCSD 2012 - stay queer and rebel
Transgenialer CSD 2012 Fotos – tCSD 2012 – stay queer and rebel

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tCSD2012 - POZ
tCSD2012 – POZ

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tCSD2012 - Trans an die Macht
tCSD2012 – Trans an die Macht

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tCSD2012 - Analverkehr statt Kapitalverkehr
tCSD2012 – Analverkehr statt Kapitalverkehr

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tCSD2012 - Rat Bohemia
tCSD2012 – Rat Bohemia

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tCSD2012 - Für mehr Blümchensex
tCSD2012 – Für mehr Blümchensex

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Erinnerungen Oldenburg

Oldenburg möchte 2012 ‚Heimat für Homosexuelle‘ sein

Als Mittel- und Bezugspunkt einer großen ländlichen Region hat Oldenburg den Anspruch und die Aufgabe, eine Heimat für Homosexuelle zu sein„,

sagt – der Oberbürgermeister von Oldenburg.

Nun, „Heimat für Homosexuelle„, die Formulierung klingt für mich befremdlich. Möchte ich das?

Allein, hinter der mir befremdlich klingenden Formulierung steckt für die Provinz immer noch Bemerkenswertes.

Prof.Dr. Gerd Schwandner, der Oberbürgermeister Oldenburgs, begründet:

Zu einer aufgeklärten Gesellschaft gehört ein Toleranzbegriff, der Vielfalt als Normalität begreift. Und wir können nicht genug dafür tun, diesen Gedanken weiterzutragen und mit Leben zu füllen.

Und ergänzt

Der hohe Anteil von Lesben und Schwulen an unserer Bevölkerung verdeutlicht das; wir verstehen ihn als Kompliment. Und zwar als eins, das immer wieder neu verdient sein will.

Ob in Oldenburg Homosexuelle nun besser leben?

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Eine Aussage, die man sich von so manchen Bürgermeister auch größerer Städte wünschen würde.

Schon in Deutschland, umso mehr in einigen Nachbar-Staaten (erinnert sie nur daran, dass andere gerade glauben den CSD für 100 Jahre verbieten zu können).

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Alles außer gewöhnlich.“
Ein schönes Motto für einen CSD – wo sich viele doch gerade danach recken, so gewöhnlich und angepasst wie möglich sein zu ‚dürfen‘.

Wir müssen nicht der Norm entsprechen, um ein wertvoller Teil der Gesellschaft zu sein„,

sagt 2012 das Programmheft für den CSD Nordwest. Sein Motto: „Alles außer gewöhnlich!“

Mögen einige über diesen Satz nachdenken . . . und das Potential, das in ihm steckt …

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Ich erinnere mich.
1980 / 81 begann mein schwules Leben – in Oldenburg, in eben jenen Oldenburg.
Gerade frisch zuhause ausgezogen, entdeckte ich hier erstmals, was so alles möglich war.
Dass manch untergründig schlummernde Sehnsucht durchaus erfüllbar war.
Hatte einen ersten Lover. Raphael.
Ein guter, liebevoller Start in’s schwule Leben, an den ich mich noch heute gern erinnere.

Und Erinnerung an eine Zeit, in der (in meinen Freundes- und Bekanntenkreisen) Maxime nicht war „wir wollen sein wie die“ [Heteros], sondern primäre Idee war, die Chancen und Möglichkeiten des Anderssseins kreativ für den eigenen Lebensweg zu nutzen. Wir wollten nicht der Norm entsprechen …

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NWZ online 13.06.2012: Oldenburg möchte Homosexuellen gute Heimat sein
CSD Nordwest, dort Link zum Programmheft (als pdf) mit dem Grußwort des Oberbürgermeisters

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Homosexualitäten ondamaris Texte zu HIV & Aids

Donna Summer homophob ? Brief an ACT UP: ich war nie gegen Schwule

War Donna Summer homophob ? Die 2012 verstorbene und 2018 in einem Musical portraitierte Disco-Ikone und HI-NRG Star bestritt 1989 in einem erst 2012 komplett bekannt gewordenen Brief an die Aids-Aktionsgruppe ACT UP, dass sie Aids als Strafe Gottes bezeichnet habe.

Hat sie – oder hat sie nicht? Hat Donna Summer, einst Star der Schwulen-Szenen, 1983 Aids als Strafe Gottes für die Schwulen bezeichnet? Nein, sagte Donna Summer einige Jahre später in einem Brief an ACT UP, der 2012 erstmals vollständig bekannt wurde.

Donna Summer soll damals Presseberichten zufolge u.a. geäußert haben, die Schöpfung beginne mit Adam und Eva, nicht Adam und Steve:

“It was Adam and Eve, not Adam and Steve.”

Sie werde für die Schwulen beten. Aids sei eine Strafe Gottes.

“I’ve seen the evil homosexuality come out of you people… AIDS is your sin … Now don’t get me wrong; God loves you. But not the way you are now.”

Donna Summer 1977 (Publicity photo of singer Donna Summer in the recording studio in 1977. gemeinfrei)
Donna Summer 1977 (Publicity photo of singer Donna Summer in the recording studio in 1977. gemeinfrei)

Publicity photo of singer Donna Summer in the recording studio in 1977.Public Domain

Donna Summer homophob ? – ACT UP Proteste und Summers Brief

ACT UP hatte damals Aktionen gegen Summer gestartet und war mit Protesten auf bzw. vor Donna Summer Konzerten präsent. Auch bei einem Auftritt Summers beim Boston Gay Pride 1989 kam es zu Protesten.

Auf die ihr zugeschriebenen Äußerungen und die Proteste ACT UPs bezieht sich Summer in dem Brief, den Peter Staley 2012 auf seinem Blog erstmals vollständig bekannt macht. Staley war ACT UP Aktivist und ist Gründer der Treatment Action Group TAG. In ihrem Brief vom 26. Juli 1989 bezeichnet Donna Summer die Kritik an ihr und Proteste gegen sie als “unjust and unfair

“I did not say God is punishing gays with aids, I did not sit with ill intentions in judgement over your lives. I haven’t stopped talking to my friends who are gay, nor have I ever chosen my friends by their sexual preferences.”

Sie habe sich nie von den Schwulen abgewandt – im Gegenteil, diese hätten ihr den Rücken gekehrt:

“I never denied you or turned away, but in fact you turned away from me.”

War Donna Summer homophob ? Peter Staley selbst meint sich zu erinnern, dass ACT UP damals etwaige Proteste gegen Donna Summer nicht wegen dieses “strange letter” beendet habe – sondern weil die Arbeit von ACT UP andere Prioritäten gehabt habe.

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Donna Summer, geboren am 31. Dezember 1948 in Boston, Massachusetts als LaDonna Adrian Gaines, starb am 17. Mai 2012 in Naples, Florida an Lungenkrebs. Anders als bei Disco-Star Sylvester, dessen Musik posthum Aids-Organisationen unterstützt, ist von Donna Summer ähnliches nicht bekannt.

2018: Donna Summer Musical

2018 hatte in New York am Broadway ein Musical über Donna Summer Premiere. Aus der Perspektive ihres letzten Konzerts wird Summers Leben in zwanzig Liedern erzählt. Choreographie hat Sergio Trujillo, Donna wird gespielt von Ariana DeBose, LaChanze und Storm Lever. Regie führt Des Mc Anuff.

Am 28. März 2018 starteten die Previews für das Musical „Summer: The Donna Summer Musical “ unter der Regie von Des McAnuff. Premiere war am 23. April 2018 am Lunt-Fontanne-Theatre auf dem Broadway. Weltpremiere einer vorläufigen Entwicklungs-Version war bereits Ende 2017 am La Jolla Playhouse. Im Juli 2018 wurden die Musical-Tracks digital veröffentlicht.

Nach der Premiere zeigte sich die New York Times enttäuscht, ein ‚Reinfall‘, „Hot stuff turns cold“. In jedem sorgfältigen Nachruf könne man mehr über die Disco-Sängerin erfahren. Und Variety kommentierte das ‚anämische‚ Musical trocken „a narrow-minded jukebox musical that views its heroine in a vacuum„.

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weitere Informationen:
Peter Staley 12.06.2012: Donna Summer’s Letter to ACT UP
Donna-Tribute: The Advocate (mid 80s): Summer and Smoke, by Adam Block
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